Ein Chor für Verständigung
Der Zamirchor ist ein lebendiger Dialog zwischen Deutschen und Israelis, zwischen Juden und Christen. Zamir – auf Hebräisch הזמיר – heißt Nachtigall.

Die Geschichte
Wie alles anfing
2002 begegnete die Bayreuther Opernsängerin und Gesangslehrerin Barbara Baier beim Skifahren in der Schweiz dem israelischen Pianisten Itzhak Tavior. Er fühlte damals gerade die Berufung zum Komponieren: große Chorwerke nach biblischen Texten, zuerst „Vision of the Dry Bones“ und „Sh’ma Yisrael“, das wichtigste Gebet des Judentums.
Barbara Baier schlug eine Aufführung in Deutschland vor – doch Tavior zögerte. Also trommelte sie Freunde und Schüler zusammen, studierte die beiden Kantaten ein und rief ihn an: „Ich habe hier einen Chor. Wir können deine Stücke. Wann kommst du und dirigierst uns?“
Der einzige mögliche Termin war ausgerechnet der Holocaust-Gedenktag. Tavior fragte drei Rabbiner um Rat, und jeder sagte ihm: Du musst nach Deutschland und dieses Konzert geben. Mit Hilfe eines evangelischen Pfarrers, der lange in Jerusalem gelebt hatte, wurde daraus eine Gedenkfeier für Juden und Christen. Danach wollten alle zusammenbleiben – 2006 gründete sich der Verein.
„Musik beginnt eben dort, wo Sprache aufhört.“
Ein voller Saal zum 60. Geburtstag Israels
2008 gab der Chor in der Stadthalle Bayreuth ein Festkonzert zum 60. Jahrestag der Staatsgründung Israels – mit einem deutschen und einem israelischen Dirigenten, einem Gastchor aus Israel und Werken von Tavior, Mendelssohn und Mahler. Vorher war die Stimmung angespannt, auf beiden Seiten. Am Ende erklangen nacheinander beide Hymnen, und der ganze Saal stand. „Das war wie bei einem Rockkonzert“, erinnert sich Barbara Baier.
Bei den Vereinten Nationen
Seinen geschichtsträchtigsten Auftritt hatte der Zamirchor im Januar 2010: zum Internationalen Holocaust-Gedenktag in der UN-Generalversammlung in New York, gemeinsam mit den Nürnberger Philharmonikern und dem Jerusalem Oratorio Chamber Choir. Eine DVD des Chores hatte es bis zu den Vereinten Nationen geschafft. 2011 folgte die Einladung nach Genf und ein Konzert zum Deutsch-Französischen Freundschaftstag in Annecy.
„Meine Einstellung hat sich geändert, seitdem ich euch kenne. Nun kann ich den Holocaust aus einer anderen Perspektive betrachten.“
Bis heute
Seit 2011 ist der Zamirchor Mitglied im Fränkischen Sängerbund und wird dort als Leistungschor geführt. Seit 2018 verbindet ihn eine enge Freundschaft mit dem Ashirachor aus Haifa – gemeinsam sangen beide Chöre in Haifa, Chișinău, Jerusalem und Bayreuth. Die Sängerinnen und Sänger sind überwiegend Laien aller Altersgruppen; was sie verbindet, ist die Freude am Singen und der Wunsch, dass aus Begegnung Verständigung wird.

Barbara Baier
Solistin, Chorleiterin und Initiatorin – zu Hause in Oper, Operette, Schauspiel, Musical und Liedgesang.
Die gebürtige Bayreutherin studierte Gesang an der Folkwang-Hochschule in Essen bei Kammersängerin Prof. Rita Streich und Prof. Jakob Stämpfli. Als Solistin war sie an vielen deutschen Bühnen engagiert, unter anderem in Dortmund, Wuppertal, Bremen und Bayreuth; Gastverträge führten sie nach Helsinki, St. Moritz, Wien und New York.
Sie unterrichtet Gesang an der Städtischen Musikschule Kulmbach und übernahm 2004 eine Dozentur an der Universität Bayreuth. Viele ihrer Schülerinnen und Schüler wurden bei „Jugend musiziert“ ausgezeichnet. 2007 gründete sie mit Mitgliedern des Chores die Zamirhalle, 2013 die Zamirsternchen.
Ihr Anliegen: über die Sprache der Musik Menschen und Kulturen zu verbinden, Achtsamkeit füreinander zu wecken und junge Menschen zu ermutigen, ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen.

In Erinnerung an unseren Mitbegründer
Itzhak Tavior
Komponist · Pianist · Dirigent
† 7. Februar 2025
Itzhak Tavior war ein außergewöhnlicher Musiker, der die deutsch-israelische Musiklandschaft über Jahrzehnte geprägt hat. Geboren in Haifa, studierte er an der Israel Music Academy in Tel Aviv, in London und Genf, das Dirigieren unter anderem bei Franco Ferrara, Hans Swarowsky und Milan Horvat. 1977 gründete er das Galilee Symphony Orchestra, ab 1980 lehrte er Musikgeschichte an der Universität Haifa.
Er inspirierte uns, 2006 aus einem Projektchor den Zamirchor zu gründen – mit der Vision, durch Musik Brücken zwischen Deutschland und Israel zu bauen. Unter seiner Leitung sang der Chor bei den bedeutendsten Momenten seiner Geschichte.
- 200860. Jahrestag der Staatsgründung Israels in Nürnberg und Bayreuth
- 2010Internationaler Holocaust-Gedenktag im UN-Hauptquartier New York
- 2011Deutsch-Französischer Freundschaftstag in Annecy; Holocaust-Gedenken bei den Vereinten Nationen in Genf, erneut 2014 und 2017
- 2012Preis des israelischen Kulturministeriums für „The Vision of the Dry Bones“
- 2015Feierlichkeiten zu 50 Jahren deutsch-israelischer Beziehungen
- 2023Letzte Konzertreisen nach Bulgarien und Israel – A-cappella-Konzert in Hemdat Yamim und am 1. Oktober sein letzter großer Auftritt mit uns im Theater Jerusalem
Seine zehn Oratorien, darunter „Sh’ma Israel“ (2003) und „Vision of the Dry Bones“ (2004), zeugen von seiner tiefen Verbundenheit mit der jüdischen Tradition. Wir verlieren mit ihm einen warmherzigen Menschen und Freund. Gemeinsam mit dem Ashirachor, den er gegründet hat, werden wir sein musikalisches Erbe bewahren und seine Werke weiter aufführen – ganz in seinem Sinn, als Brückenbauer zwischen unseren Kulturen.
Die Zamirsternchen
Unsere Jüngsten im Chor: junge Sängerinnen, die zum großen Teil auch solistischen Gesangsunterricht erhalten.
Unter der Leitung von Barbara Baier gestalten die Zamirsternchen eigene Konzerte und haben schon zahlreiche Auftritte gesungen – unter anderem beim Empfang des deutschen Botschafters zum Holocaust-Gedenktag bei den Vereinten Nationen in Genf und in der Zentralsynagoge in Genf. Mehrere von ihnen wurden bei „Jugend musiziert“, mit dem Albert-Ruckdeschel-Preis und beim Wettbewerb „Engelsstimmen“ in München ausgezeichnet.
Neue junge Sängerinnen und Sänger sind herzlich willkommen. So kommen Sie dazu
Die Zamirhalle
Konzertsaal und Proberaum in einem: Hier probt der Chor, hier finden Konzerte, Workshops und Meisterkurse statt. Junge Menschen können ihre musikalischen, tänzerischen und szenischen Begabungen entfalten – und der Raum steht offen für interkulturelle Begegnungen.
- Seit
- 2007
- Raum für
- Konzerte, Proben, Workshops, Meisterkurse und Begegnungen
- Barrierefrei
- Auffahrrampe für Gäste im Rollstuhl
- Adresse
- Eduard-Bayerlein-Straße 8, 95445 Bayreuth – gegenüber dem Arvena Kongresshotel
Worte, die uns tragen
Für sein Engagement für Völkerverständigung und seine musikalische Qualität wurde der Zamirchor mehrfach ausgezeichnet. 2015 qualifizierte er sich für das Finale von „Der Deutsche Chorgipfel“ bei Klassik Radio. Schreiben von Botschaftern, der Direktorin der Vereinten Nationen in Genf, der Präsidentin des Bayerischen Landtags und von Isaac Herzog begleiten unseren Weg.
[bitte ergänzen: Bundesverdienstkreuz – wer wurde wann ausgezeichnet?]
